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Gelebte Selbstlüge

Podcast Gelebte Selbstlüge

Niemand möchte gern belogen werden. Doch während wir Aufrichtigkeit von allen anderen als Selbstverständlichkeit verlangen, hören wir bei unserer inneren Stimme, unserer Intuition,  oft lieber weg.

Hast du dich auch schon einmal gefragt, wofür du als Person eigentlich stehst und entspricht das Handeln deinen eigenen Werten?

Obwohl es mir nicht immer leicht fällt, diese Geschichten zu teilen, erzähle ich euch auch heute von einer Situation, in der ich ungewollt mit der Frage konfrontiert wurde, ob ich meine eigenen Werte überhaupt lebe. Für was stehe ich persönlich eigentlich ein und wo sind meine Grenzen?

Gelebte Selbstlüge

Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Das pure Leben mit mir, Andrea Morgenstern. Schön, dass ihr wieder dabei seid bei diesem neuen, spannenden Thema.

Es geht heute rund um das Thema Lügen! Es geht aber nicht darum, mit dem Zeigefinger nochmal zu erwähnen, wie böse Lügen sind und dass wir alle immer die Wahrheit sprechen sollten – ich glaube das haben wir alle schon oft genug gehört und gelesen in unserem Leben. Es soll vielmehr darum gehen, wie bewusste, aber vor allem unbewusst gelebte Lügen uns von unserem wahren Ich und unseren Mitmenschen immer mehr entfernen.

Lügen können natürlich gedacht oder ausgesprochen werden, aber ich möchte mich besonders auf die Lügen beziehen, die wir selbst über uns glauben (wollen) bzw. durch unsere Taten eben auch leben.

Lügen können Taten sein, die in Wahrheit nicht uns selbst entsprechen und dadurch eben Lügen sind; indem wir Dinge tun, die nicht unserem Lebensziel und Werten entsprechen (die ihnen vielleicht sogar WIDERsprechen).

Ich möchte euch dafür ein Beispiel aus meinem Leben erzählen, das vielleicht auf den ersten Blick etwas radikal klingt.

 

Aber ich erkläre es hinterher nochmal. Vermutlich ist das für den Einen oder Anderen auch zuviel und Er oder SIe  kann es vielleicht gar nicht nachvollziehen, aber es entspricht eben meiner Wahrheit. Es fällt mir natürlich auch nicht so leicht, diese Geschichte hier zu teilen, weil da eben doch ein Stück Rest-Angst ist, dass ich dafür nicht angenommen bzw. verurteilt werde. Es ist superspannend zu sehen, dass da immer noch dieser „Rest“ ist – aber ich bin mir dessen bewusst und entscheide mich trotzdem dafür, das mit euch hier zu teilen. Ich gehe also das Risiko ein, weil diese Geschichte meinem wahren Ich entspricht. So bin ich!

Kommen wir also zur Geschichte: Und zwar lebe ich seit ein paar Jahren vegan. Der Ein oder Andere weiß das vielleicht, weil ich auf Youtube und Instagram viele Ernährungsvideos mache. Ich mag pflanzenbasierte, gesunde, leckere und geile Ernährung eben ganz gerne 🙂

Konsequent bin ich das jetzt seit 2,5 Jahren. Vorher war ich für ein paar Jahre zuhause meist vegan und unterwegs meist vegetarisch.

Obwohl ich seit meinem 14. Lebensjahr schon Vegetarierin bin, war ich immer mit einem Allesesser als Freund zusammen.

 

Ich weiß, dass das für viele Veganer keine Option ist, aber es hat für mich immer ganz gut funktioniert und war für mich nie ein Ausschlußkriterium für einen Mann. Dann aber, in einer Phase in der ich sehr sensibel und sehr am Wasser gebaut war, weil ich fast jeden Tag Migräne hatte, fing ich wieder an, mich konsequent vegan ernähren zu wollen. In dieser Phase an einem Samstagmorgen fragte ich meinen damaligen Freund, ob ich ihm etwas aus dem Supermarkt von Nebenan mitbringen sollte, weil ich noch schnell Bananen kaufen wollte.

Er wünschte sich Speck und Eier für sein zünftiges Samstagsfrühstück – und schon begann der Kampf in mir.

 

Es entsprach nicht meinen Werten diese Produkte zu kaufen. Aber natürlich wird er sie auch essen, wenn ich sie nicht kaufen. Ich verhindere also nicht, dass mein Freund solche Produkte isst. Ich verhindere damit auch nicht, dass die Tiere getötet oder gequält werden. Aber darum ging es eben auch gar nicht.

Es ging darum, meine Wahrheit zu leben.

 

Wie so oft stand ich also in diesem Zwiespalt,  denn es war nicht das erste und auch nicht das letzte Mal in meinem Leben: meinen Freund so lieben und akzeptieren wie er ist, ihm eine Freude zu machen und meine eigenen Werte gleichzeitig zu leben. Für mich persönlich fühlt es sich einfach falsch an, Tierische Produkte zu kaufen, weil ich das nicht richtig finde. Das hat verschiedene Gründe und das ist für mich einen Wert für den ich stehe. Ich respektiere seine Entscheidung, aber ich möchte sie eben nicht unterstützen.

Das kann man jetzt für übertrieben halten, aber genau darum geht es. Das sollte mir in dem Falle, bzw. uns, egal sein. Denn wenn es deine Wahrheit ist, etwas zu tun oder nicht zu tun, dann ist das deine Wahrheit und du solltest meiner Meinung nach nicht Anderen zu liebe eine Lüge leben.

Kommen wir zurück zum Supermarkt – der noch nicht einmal Bio war (besonders im Hinblick auf tierische Produkte ist das ja schon von Interesse). Dadurch war es auch noch einmal schwieriger für mich, diese Entscheidung zu treffen. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich mich mit dem Speck und dem Käse zur Kasse bewegte. Ich fühlte mich einfach wie ein Verräter – oberflächlich betrachtet wie ein Verräter der Tiere, die ich als meine Freunde bezeichnen würde und nicht alles Essen. Aber darunter verbarg sich natürlich noch viel mehr.

Ich fühlte mich als Verräter meiner eigenen Werte.

 

In diesem Moment war ich nicht authentisch. Ich war nicht ich selbst. Ich kam also zurück nach Hause und heulte erstmal – nicht weil ich mit dieser Handlung irgendein Tier umgebracht hätte – nein, darum ging es natürlich nicht, sondern darum, dass ich nicht authentisch gehandelt habe.

Ich habe mich selbst belogen, indem ich so sehr wollte, dass das O.k. für mich ist.

Als Hintergrund kommt bei mir noch einmal hinzu, dass Ich schon immer eine möglichst perfekte und tolle Partnerin für meinen Freund sein möchte, bei der der Mann möglichst alles hat: die liebevolle Freundin, die beste, supercoole, lässige Kumpelinin und natürlich auch die leidenschaftliche Affäre. Also am liebsten möchte ich immer alles sein und das dann möglichst perfekt. In diesem Falle wollte ich eine noch coolere Veganerin sein. Nicht nur wollte ich akzeptieren, dass zu diesem Zeitpunkt alle meine Freunde Allesesser waren (denn sie haben mich auch immer so akzeptiert) sondern ich wollte auch noch zeigen, dass ich meinen Partner so sehr liebe, dass ich auch das gern für ihn mache.

Damit habe ich mich aber selbst belogen, denn so bin ich nicht.

 

Warum? Weil es mich belastet! Es widerspricht meinen Werten und belastet mich dadurch. Ich glaube, dass ein Mensch der mich wahrhaft liebt, so wie ich bin, es auch tut, wenn ich meine Wahrheit voll und ganz lebe, wenn ich auch bereit bin, Nein zu sagen und damit anzuecken, vielleicht auch von Leuten für verrückt erklärt zu werden, aber dafür eben keine Lüge lebe. Auch wenn das hier nur eine kleine Geschichte aus meinem Alltag ist, war es mir wichtig, dass mit euch zu teilen. Denn wir sind das, was wir jeden Tag leben.

Es ist nicht nur wichtig bei den großen Entscheidungen, die wir treffen unserer Wahrheit zu entsprechen, sondern eben auch bei den kleinen im Alltag.

 

Wenn wir unbewusst sind und Lügen leben, dann sorgt das für Frust und vor allem für Distanz – Distanz zu unserem eigenen selbst, Distanz zu unserer inneren Wahrheit, Intuition und Stärke. Logischerweise hilft es der Intuition nicht unbedingt zu wachsen, wenn sie sich immer wieder ignoriert fühlt, sich nicht ernst genommen fühlt. Das würde uns ja auch nicht gerade Selbstvertrauen geben, oder?

Und so ist es eben auch mit der Intuition. Diese Selbstlügen können dabei unglaublich vielfältig sein. Es kann ein Studium sein, dass eigentlich gar nicht einem Selbst entspricht. Es kann ein Job sein, ein Klamottenstil, eine Beziehung, die wir führen  oder eine Sportart, die wir ausüben. Es können ganz, ganz unterschiedliche Sachen sein, in denen wir Lügen leben, ohne es zu merken.

Lebt eure eigene Wahrheit – no matter what!

Lebt eure eigene Wahrheit – scheiß drauf, was andere darüber denken!

 

Das Wichtigste ist, dass ihr euch selbst treu seid und bleibt. Es lohnt sich wirklich, daran zu arbeiten und es ist für  mich definitiv ein wichtiger Eckpfeiler meines Selbstbewusstseins, dass ich in den letzten Jahren immer mehr entwickelt habe.

Vielleicht habt ihr Lust, im Alltag mal etwas mehr zu schauen, ob ihr wirklich in eurer Herzenswahrheit, eurer Intuition entsprechend handelt oder ob es vielleicht doch die ein oder andere Lüge gibt, die ihr vielleicht doch unbewusst lebt.

Ich würde mich auf jeden Fall total freuen, wenn ihr Bock habt, mir Feedback zu geben, z. B. hier in den Kommentaren. Ich freue mich wirklich sehr darüber und antworte euch natürlich.

Wie immer freue mich riesig über eine Bewertung bei iTunes! Eine 5-Sterne Bewertung hilft mir dabei, den Podcast noch mehr zu verbreiten und noch mehr Menschen zu inspirieren, Ein gesundes, glückliches Leben mit sich selbst im Reinen zu führen. Das ist das Ziel, wieso ich das hier mache. Ich hoffe, ich konnte euch damit ein paar Minuten Inspiration bieten!

Ich wünsche euch einen großartigen Tag und freue mich ganz doll, wenn ihr beim nächsten mal wieder rein hört!

Falls ihr vielleicht auch denkt, dass diese Folge Für eure beste Freundin, für den Partner, für die Mutti oder wen auch immer interessant sein könnte, dann schickt ihr sehr gerne einen Link. Vielleicht können wir ja damit einen Samen setzen, der zu etwas Großem und Wundervollem wachsen kann.

Ich wünsche euch einen großartigen. Machts gut und bis zum nächsten Mal!

Alles Liebe,

 

8 Kommentare

  1. Liebe Andrea, auf YouTube verfolge ich dich schon eine ganze Zeit. Aber auch dein Podcast ist wunderbar!! Besonders diese Folge hat mich berührt. Ich kann dich gut verstehen, auch mir fällt genau das nicht leicht und ich versuche noch den Spagat zwischen meinem Allesesser-Freund und mir (veget./Vegan). Auch sind für mich Werte ein wichtiges Thema. Ich habe den großen inneren Werte Konflikt immer schon gehabt zwischen Unabhängigkeit als größter Wert auf der einen Seite und 40-Stunden-Job auf der anderen. Noch bin ich auf dem Weg, habe mir endlich einen Teilzeitjob organisiert und arbeite an meiner Selbstständigkeit. Ich bin auf dem Weg, und das ist gut so. Das gibt mir Ruhe und Kraft. Danke für deine Geschichte, die du mit uns geteilt hast. DANKE ❤️ Alles liebe und mach weiter so, isabell

    • Andrea Morgenstern sagt

      Danke liebe Isabell, sowohl für das Feedback als auch für das Teilen deiner Geschichte. Ich hoffe dir tut der Teilzeitjob gut und bringt dich deinem Ziel näher <3

  2. Madame Pinson sagt

    Hallo, kenne diese Situation, diesen Spagat. Ich will es aber mal anders beleuchten: indem es euch/uns so schwerfällt, den Speck zu kaufen, ist es doch eben keine unbewusste Selbstlüge. Es ist doch sehr bewusst die Entscheidung, seinem Partner/seinen Freunden auf die Bitte hin das mitzubringen. Würde man es nicht tun, würde das Gegenüber sauer losziehen, Zeit verlieren, sicj den Speck selber kaufen und das Samstagsfrühstück wäre im Eimer. D. H. Es ist eine bewusste Entscheidung, die Wahl/Vorlieben des anderem zu respektieren. Ändern kann man es in diesem konkreten Moment nicht (höchstens auf lange Sicht). Wenn man sich einlullen lassen würde, das zu essen – das käme einer Selbstlüge dann schon näher. So sehe ich das. Ich gehe da mit euch und mir nicht so hart ins Gericht. Gerade Beziehungen benötigen Kompromisse – das ist so einer.
    Im Freundeskreis regeln wir das häufig so, dass die Veganen auch was mitbringen. Und witzigerweise sind ja viele typischen Partysnacks vegan (ettliche Chips, Nüsse, Pommes).
    Viel größere Gedanken mache ich mir beim Thema Urlaub. Obwohl ökologisch bedenklicj fliege ich immer und immer wieder mit meinen Freunden um die Welt – obwohl wir in Holland genausoviel Spaß haben wie in Florida. Sie wollen aber gerne. Und wollen mich dabei haben. Da werde ich schwach und bin nicht konsequent. Hat also jeder so seine eigene Selbstlügenbaustelle. Aber man will ja auch ungern der krasse Moralapostel und die Spaßbremse sein.
    Eine gesunde Selbstreflektion ist einfach das Beste.

    • Andrea Morgenstern sagt

      Danke für das Teilen deiner Ansichten. Für mich beginnt eine Selbstlüge aber schon da, wo ich etwas tue, was nicht meiner inneren Wahrheit entspricht. Das schließt für mich keine Kompromisse aus und für einen anderen Veganer kann Wurst kaufen für den Freund völlig ok sein. Kompromisse können auch Selbstlügen sein, müssen es aber meiner Meinung nach nicht.
      Aber ich finde es spannend zu sehen was andere denken, daher danke fürs Teilen 🙂

  3. Lina & Nico sagt

    Liebe Andrea
    Wir verfolgen deine Podcasts von Anfang an begeistert und hören Sie bevorzugt abends kurz vorm Schlafengehen! Wir finden es immer wieder interessant, dass uns aktuell gerade die gleichen Themen beschäftigen wie dich. Nach dem Hören dieser Folge haben wir uns endlich dazu entschlossen, dir einen Kommentar zu hinterlassen. Wir feiern in Kürze unsere Hochzeit und werden dort für alle Gäste ein rein veganes Menü anbieten. Wir hatten sehr lange überlegt, ob wir nicht doch für die Omnivoren Fleisch anbieten „müssen“ – jetzt sind wir aber wahnsinnig froh, es nicht zu machen! Für uns würde es einfach nicht stimmen, genau so, wie du es in dieser Folge beschreibst. Am Tag danach können die Leute dann wieder essen was sie möchten.
    Wir danken dir herzlich dafür, dass du dein Innerstes mit uns allen teilst – es berührt uns immer wieder aufs Neue!
    Viele liebe Grüsse, Lina & Nico

    • Andrea Morgenstern sagt

      Liebe Lina und lieber Nico,
      wie schön von euch so ein Feedback zu bekommen! Und ich finde es ganz ganz groß und großartig, dass ich euch für ere Wahrheit entschieden habt bei dieser wirklich nicht leichten Frage. Und ich wünsche euch ein wundervolles Fest <3

  4. Hi Andrea,

    bin gerade „per Zufall“ 😀 auf Deinen blog gestoßen und habe mich soeben hier durchgelesen.

    Nun frage ich mich: „Warum wolltest Du dies hier zuerst nicht teilen? Vor welcher Verurteilung hattest oder hast Du Angst?“

    Du hast gehandelt und Du warst Dir Deines Handels all die Zeit über vollkommen bewusst. Wo also sollte ein Fehler sein ? Wer hätte das Recht Dich zu verurteilen ?

    Ich selbst lebe seit vielen Jahren vegetarisch – inzwischen ca. 90 % vegan.
    Sicher gibt es da draußen nun People, die mir jetzt sagen würden, dass ich diese letzten 10 % auch noch leben soll. Und es gibt andere, die mir sagen würden, dass vegane Ernährung nicht gesund ist. Und … und … und … Aber wer bitte, darf entscheiden, was ich tue ? Letztendlich sind wir alle nur vor uns selbst und der Schöpfung selbst zu Rechenschaft verpflichtet.

    Früher dachte ich auch mal, ich müsste großzügig sein, weil man als guter Mensch ja großzügig ist … für alles Verständnis hat und sich selbst nicht so wichtig nehmen sollte.

    Heute bekenne ich mich klar dazu, dass ich so leben möchte, wie ich das für mich als richtig empfinde. Über meine Schwelle kommt schon seit Ewigkeiten kein Fleisch. Ich möchte mein Leben auch nicht mit einem Allesesser verbringen und auch nicht mit einem Raucher, obwohl mir Rauch an sich nichts ausmacht. Aber einen Menschen zu küssen, der nach Rauch riecht und dessen Haut sauer nach tierischen Erzeugnissen riecht … ich möchte es nicht. Und die Konsequenz davon ist, dass ich jetzt einfach alleine lebe.

    Du bist genau richtig, wie Du bist und ich finde es toll, was Du tust 🙂

    Herzlichst
    Gina

    • Andrea Morgenstern sagt

      Liebe Gina, ich danke dir für deinen Kommentar und die Offenheit. Und ich finde es wunderbar zu hören, dass du deinen Weg gehst und tust was deinen Werten entspricht. Liebe Grüße

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