„Sensibelchen“ – möchtest du so von anderen betitelt werden? Irgendwie erweckt das doch gleich den Beigeschmack einer beiläufigen Abwertung, dem Gefühl, nicht ernst genommen und mit Vorurteilen betrachtet zu werden, oder?

Ich kann zu diesem Thema aus Erfahrung zu euch sprechen, und genau das tue ich im heutigen Podcast. Ich berichte euch aus meinem Leben, wie ich früher oft als Sensibelchen gesehen wurde. Ein Böser Blick oder laut an mich gerichtete Worte haben oft schon gereicht, dass mir als Kind die Tränen in den Augen standen. Aber auch später, z.B. in Partnerschaften, wurde mir meine Sensibilität oft vorgehalten, als sei es ein Makel, an dem ich areiten müsse.

Ich nehme euch in dieser Podcastfolge mit in mein Leben, erzähle euch davon, wie ich selbst meine empfindsame Seite wahrnehme und  warum ich in dieser vermeintlichen Schwäche mit der Zeit meine größte Stärke entdeckt habe.

Die Stärke der Sensibelchen

Heute geht es um das Thema: Die Stärke der Sensibelchen. Vielleicht wurdest du in deinem Leben auch schon einmal Sensibelchen genannt. Vielleicht kennst du sogar jemanden, den du selbst so nennst (oder der so genannt wird) oder du hast dich aus irgendeinem anderen Grund gerade dafür entschieden, dass dieses Thema für dich interessant sein könnte. Vielleicht wirst du das im Laufe der Folge auch merken.

Vermutlich spreche ich aber in erster Linie alle an, die sich mit diesem Thema schon befasst haben und das vielleicht von sich kennen.

 

Ich möchte dir in dieser Folge einen kurzen Abriss meiner Geschichte erzählen. Ich –  als wirklich oft benanntes Sensibelchen.

 

Und ich erzähle dir, warum in dieser vermeintlichen Schwächen meine größte Stärke liegt.

Ich habe früher oft gehört, dass ich zu sensibel sei. Als Kind bin ich zum Beispiel sehr oft sehr schnell bei Streit einfach in mein Zimmer gelaufen, habe in mein Kissen geweint und die Tränen stiegen sehr schnell in den Augen hoch.

 

Ein böser Blick hat oft schon gereicht, um mir sehr weh zu tun.

 

Zu laut, zu viel Bass, zu starke Gerüche, zu hell, zu grell, zu schnell, zu intensiv – das kenne ich alles auch. Mit den Jahren wurde ich dann auch in einer sehr langen Beziehung sehr oft als Empfindliches Sensibelchen bezeichnet, also quasi nochmal ein on top.

In einer späteren Beziehung hat man mir gesagt, dass ich zu oft weinen würde und dass man auch mal normal mit mir reden wollen würde, ohne dass ich sofort losheule. Zugegeben – zu dieser Zeit habe ich auch wirklich viel geweint. Mir ging es in der Zeit gesundheitlich sehr schlecht und insgesamt war meine Verfassung eben so, dass ich sehr nah am Wasser gebaut war. Aber jetzt abgesehen davon, könnte es ja sein, dass jemand auch grundsätzlich so ist im Leben und auch weiterhin so ist. Dann, finde ich, ist es auch nicht so einfach, so etwas zu hören – wenn man sich versucht, so anzunehmen und dann immer wieder hört, dass es nicht richtig ist, wie man ist.

Es war als kleines Kind schon so, dass ich laute Stimmen und wenn zum Beispiel auf Familientreffen geraucht wurde, ich das überhaupt nicht abhaben konnte. Man könnte sagen, dass ich ein bisschen wie ein rohes Ei war, bei dem man das Gefühl hatte, immer aufpassen zu müssen, dass es nicht zerbricht.

 

Das führte natürlich immer zu Kommentaren über meine Sensibilität und nicht selten machten diese Kommentare nicht den Eindruck eines Kompliments.

 

Aber genau in dieser vermeintilichen Schwäche, die von außen natürlich auch genau als dieses betitelt wurde, liegt eigentlich eine meiner größten Stärken.

Genau deshalb möchte ich auch dich jetzt einladen, mal zu schauen, was du denkst was deine größten Schwächen sind oder, was man dir auch schon lange als Eigenschaft zugesagt hat, was nicht unbedingt als Stärke angesehen wird. Vielleicht ist das bei dir auch deine sensible Seite. Vielleicht bist du als Mann sehr sensibel und hast dazu schon oft Sprüche bekommen. Oder du bist sehr nah am Wasser gebaut und weinst nicht selten auch bei der Tagesschau, wenn Nachrichten kommen. Vielleicht haben die Kommentare dann aber auch dazu geführt, dass du insgeheim auch irgendwie geglaubt hast, dass du anders sein solltest, dass du weniger sensibel sein solltest, dass du weniger fühlen solltest und, weniger empfindlich sein solltest, weniger weinen. Du solltest auch Gruselfilme gucken können und auch große Menschenmengen und superlaute Parties geil finden.

 

Was auch immer es bei dir ist, ich möchte dich dazu einladen, das Geschenk hinter deiner vermeintlichen Schwäche zu erkennen.

 

Ich habe zum Beispiel viele Jahre geglaubt, ich wäre zu sensibel. Dabei habe ich auch nicht selten andere Menschen als Projektionsfläche genutzt und selbst darüber gelacht, wenn z.B. jemand noch sensibler war oder anders sensibel war als ich.

Aber zum Glück hat sich das geändert, denn meine Sensibilität ist heute ja auch meine Basis – die Basis meiner Arbeit. Nur durch sie habe ich so ein gutes Gespür für Menschen. Wie ihr wisst, sind mir auch schon die ein oder anderen Schicksalsschläge auf meinen Weg als Herausforderung begegnet und ich weiß, wie es ist, selbst zu leiden. Und genau weil ich mich dem auch so hingegeben habe und auch wirklich in diese Tiefen echt richtig hinabgestiegen bin und mich darin ordentlich gesuhlt habe früher, deswegen weiß ich eben auch, wie man da raus kommt.

Ich weiß, wie man sich völlig in diese Opferrolle der Umstände von Krankheiten des Lebens usw. hingeben kann, gerade wenn man sehr sensibel und feinfühlig ist. Aber vor allen Dingen weiß ich eben dadurch auch, wie man es schaftt,  herauszukommen. Ich nehme Menschen auf unterschiedlichen Ebenen wahr.

 

Wenn ich in einen Raum reinkomme, spüre ich zum Beispiel sofort, wie die Stimmung ist.

 

Ich weiß zum Beispiel sofort, wer sich gerade gestritten hat, wer innerlich gerade was denkt, fühlt, dem anderen gegenüber. Das ist ganz, ganz krass, auf so einer Ebene, die man auch nicht so leicht erklären oder beschreiben kann. Ich fasse Menschen an, und weiß total viel, ohne dass Sie mir das sagen müssen. Weil ich das eben auf anderen Ebenen wahrnehme. Weil ich so feinfühlig bin.

 

All die Tränen früher, all das Leid  und das Sensibelchen…das verbarg also eigentlich so einen riesigen Schatz.

 

…Empathie und v.a. Menschen auch auf ganz anderen Ebenen wahrnehmen und erreichen zu können, als andere Menschen das können. Meine Geschichte, mit all den Tiefen und dem gefühlten Leid, ist absolut zu meiner Stärke geworden und dazu gehört diese sehr, sehr starke – und früher anders ausgelebte – Sensibilität. Denn das lässt mich jetzt diese Arbeit machen. Durch diese ganzen Sachen kann ich hier andere Menschen inspirieren, denn was sollte ich hier sonst erzählen? Irgendwas, was ich in schlauen Selbsthilfebüchern gelesen habe, irgendwelche Tools für schlechte Zeiten, von denen ich mal gehört habe. Aber in Wahrheit gehe ich einfach Friede, Freude Sonnenschein hier durchs Leben? – Nein, das wäre überhaupt nicht authentisch und meiner Meinung nach auch nicht hilfreich. Das würde auch gar keinen Spaß machen. Das würde eben nicht aus Erfahrung sprechen.

Das ich so sensibel bin und immer sehr sensibel war, führt dazu, dass ich diese ganzen Höhen und Tiefen, verschiedene Krankheiten voll ausgelebt und voll mitgenommen und reingefühlt habe. Ich erzähle dir das aber nicht, um dir zu zeigen, wie toll ich bin, Weil ich das nicht brauche. Erst einmal: wir sind alle toll! Logisch. 🙂

Vor allen Dingen sehen wir in den anderen – unserem Gegenüber – sowohl im Positiven als auch im Negativen – nur das, was wir auch in uns selbst tragen. Nur das, was wir in uns tragen, sehen wir in den anderen. Manchmal passt uns das, manchmal nicht so.

Sowohl unser Licht, als auch unser Schatten, sehen wir in den anderen, dem Gegenüber.

 

Ich erzähle dir das jetzt, um dir zu sagen wie toll DU bist!

 

Ich kenne dich nicht und ich kenne deine Geschichte nicht (es sei denn, du warst in meinen Workshops, im Coaching…). Vermutlich kenne ich deine Geschichte nicht, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass auch du solche vermeintlichen Schwächen hast, die als solche von Freunden und Familie, vom Partner oder auch der Gesellschaft auf irgendeine Art als solche vermittelt wurden.

Ein Mann muss stark sein.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Nur die Harten kommen in den Garten.

Das sind ja auch alle solche Sprüche, die einfach eben mal so gesprochen werden, und natürlich nicht nur Männer beeinflußen.

Schwächen – in denen in Wahrheit eine große Stärke verborgen liegt. Sie möchte nur entdeckt werden. Sie wartet nur darauf, dass du sie als das anerkennst, was sie ist, nämlich als dein einzigartiger Schatz, als ein Teil von dir, etwas, was wichtig ist auf deinem Weg und was dir eine Stütze war oder ist, was dir ein Geschenk ist. Entweder, weil du diese schwäche für dich oder für andere nutzen kannst, oder / und weil du aus ihr lernen kannst. Weil sie dich darauf aufmerksam macht, was deine Seele wirklich braucht, was wirklich DEINS ist, was und wer du bist, was deiner Seele entspricht.

 

Schau sie dir an, deine sensible Seite. Beschäftige dich mit ihr.

 

Schreibe dir vielleicht einmal auf, was man dir über sie in der Vergangenheit gesagt hat, was auch du vielleicht für Sprüche gehört hast – die müssen gar nicht böse gemeint worden sein, aber die man eben einfach so gesagt hat.

Schreibt dir mal auf: was hast du eigentlich gedacht über dich und deine sensible Seite? Oder Sprüche, die Leute gesagt haben. Was hast du mit ihr gemacht? Hast du sie unterdrückt? Hast du sie heimlich gelebt und und heimlich ins Kissen geweint? Oder hast du sie ausgelebt, aber in Wahrheit Scham dafür empfunden und tust es vielleicht noch heute? Und dann frage dich einmal: was für ein Geschenk bei dir verborgen liegt in dieser Eigenschaft.

Ich weiß, dass es ein Geschenk gibt. Wenn es soweit ist, dann wirst du es auch sehen können.

 

Davon bin ich überzeugt. Wenn du es jetzt gerade noch nicht sehen kannst, dann mache dir darüber auch keinen Kopf. Zerbrich dir nicht den Kopf und fühle dich nicht schlecht, weil du es jetzt gerade nicht siehst. Das ist auch wieder nur eine Momentaufnahme. Dann kannst du es jetzt gerade nicht sehen. Das macht überhaupt nichts, dann siehst du es, wenn es soweit ist – wenn es wichtig ist, dass es sich dir dann zeigt. Aber vertraue darauf, es ist ein Geschenk dahinter.

All das, was wir in uns tragen, auch das, was wir uns manchmal nicht wünschen, weil es unangenehm ist und schmerzt, all das ist in uns, weil es uns dient und nicht weil es uns schaden will. Wir haben ja nichts in uns, was unsere Seele Schaden zufügen will, sondern es ist nur da, damit sie wachsen kann  – damit wir wachsen können.

Also vertraue darauf, dass da definitiv ein Geschenk ist, was auf dich wartet, dass sich darauf freut, das es später gesehen werden kann.

Ich wünsche dir, dass du das Geschenk sehen und dankbar in den Arm nehmen kannst, dass du diese Eigenschaft dankbar umarmen kannst.

 

Denn du bist gut, genau so, wie du jetzt bist.

 

Genau so sollst du jetzt in diesem Moment sein. Jetzt in diesem Moment. Schenke dir jetzt einen Moment Liebe – für dich selbst. Sei dankbar für die Erfahrungen, die du durch deine sensible Seite in deinem Leben schon machen durftest. All das Schöne, dass du so sensibel wahrnehmen konntest, weil du so viel fühlst, weil du so intensiv fühlst. Tiefe Liebe. Dankbarkeit. Verbundenheit. Lust. Leidenschaft. Freude. All das, was dir jetzt in den Sinn kommt, wo deine feinen Antennen dir besonders viel Freude beschert haben, besonders angenehme Gefühle. Fühle dich einmal richtig rein und stelle es dir vor. ….

Dann kehre mit einem Lächeln zurück in den Tag und vielleicht geht es dir jetzt wie mir. Ich habe auch gerade kurz die Augen zu gemacht und genau an solche Momente gedacht. So sehr ich auch Leid extrem gespürt habe in meinem Leben oder es eben auch erzeugt habe (Leid, wie ihr vielleicht in einer anderen Podcastfolge gehört habt, entsteht ja auch nur durch das Anhaften an Schmerz, Gedanken und Gefühle), habe ich eben auch extrem stark diese andere Seite gefühlt.

Mir ist gerade so ein großes Lächeln über mein Gesicht gekommen, weil ich eben auch ganz besonders doll lieben kann. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich durch meine sensible Seite  –  dass, was oft auch angestoßen ist bei Anderen – so voller Dankbarkeit sein kann, dass ich beim Meditieren weine vor Dankbarkeit. Ich habe in meinem Leben schon so viele Momente gehabt, wo ich unglaublich verliebt war, wo ich so viel Liebe empfunden habe, einem anderen Menschen gegenüber, meiner Familie gegenüber, der Natur gegenüber, Tieren gegenüber. Ich habe mich so verbunden gefühlt, habe soviel Leidenschaft gespürt in Momenten der Nähe, im Austausch mit anderen, dass das so unglaublich schön ist und ich es auf keinen Fall tauschen möchte. Ich bin froh, dass ich so sensibel bin.

 

Ich bin froh, dass ich ein „empfindliches Sensibelchen“ bin, dass ich so viel wahrnehme.

 

Ich hoffe, dass auch du dieses Geschenk in deinem Leben für dich in deiner Art erkennen kannst. Denke daran, du bist wundervoll so wie du bist. Ganz, ganz viele Küsse von mir!

Ich hoffe, es geht dir gut, ich wünsche dir alles Gute! Falls du Fragen hast, die du mir stellen würdest und die ich in einer meiner nächsten Podcastfolgen beantworten soll, dann schreibe sie gerne in die Kommentare. Die Fragen können sich rund um Persönlichkeitsentwicklung, Heilung, Gesundheit usw. drehen. Ich habe überlegt, dass, wenn die Q&As gut ankommen, ich das öfters machen werde. Deswegen freue ich mich sehr über euer Feedback. Auf der Website hier oder auch auf Instagram in den Direct Messages. Ich bin supergespannt, was ihr noch für weitere Fragen habt, einige habe ich schon bekommen.

Ansonsten freue ich mich, wie immer, wenn ihr mir eine 5 Sterne Bewertung bei iTunes hinterlasst. Das macht mir nicht nur mega Freude, weil ich dann meinen Podcast mit noch mehr Leuten teilen kann, sondern, es zeigt mir eben auch, dass es gewollt ist und dass ihr es cool findet und meine Arbeit hier ankommt. Feedback ist einfach das Schönste, was ihr mir hier geben könnt. Deswegen habt herzlichen Dank, falls ihr euch Zeit nehmt oder das schon gemacht habt und ansonsten herzlichen Dank fürs Lesen oder Zuhören und danke für Euer offenes Herz, mit dem ihr meine Worte aufgenommen habt.

 

Alles Liebe,

 

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