Vermutlich ist der Titel etwas plakativ und klingt sehr stark nach vorsätzlicher Selbstfindung, doch darum soll es hier nicht gehen. Natürlich habe ich auf meiner Reise durch Südostasien viele Leute getroffen, die ganz bewusst auf der Suche nach sich Selbst und dem Sinn des Lebens waren, doch das war bei mir nicht der Fall. Sicher gab es auch das Dinge, über die man mal ordentlich nachdenken sollte und die man mit Abstand reflektieren konnte, aber insgesamt war ich glücklich mit meinem Leben. Also nix mit Suchen und so.
Doch die Zeit in so fremden Ländern, besonders auch die Zeit, die man allein durchschreitet, macht etwas mit einem. Nicht umsonst kommen die meisten Leute vom Reisen wieder und fallen erst einmal in ein Loch- wie ihr in diesem „Ich bin zurück-Vlog“ vielleicht mitbekommen habt, war das auch bei mir der Fall.

Bangkok Wat Pho

Es ist auch schwer zu greifen und zu formulieren was da in einem passiert, aber ich versuche es dennoch.
Bei mir waren es keine großen Momente, in denen ich ganz bewusst mein Leben und mein Ich reflektiert habe, sondern eher ein schleichender Prozess, der durch kleine Erlebnisse und auch Gespräche angeregt wurde. Besonders in Indonesien hatte ich viele sehr spannende Gespräche mit Einheimischen und Auswanderern. Mit Hindus, Christen, Muslimen, Witwern, Wunderheilern und besonders auch mit einigen Menschen, denen gerade erst schwere Schicksalsschläge widerfahren waren sowie wirklich körperlich hart arbeitenden Leuten. Es ging oft um Glauben an eine höhere Macht, um Vertrauen auf eben diese und auch um Beziehungen. Es war spannend Gemeinsamkeiten festzustellen und sich auch mal gegenseitig zu stützen und zum Nachdenken anzuregen.

Bangkok Tuk Tuk

Ich würde sagen, dass ich auf Bali ein paar Menschen kennengelernt habe, die mich jederzeit wieder mit offenen Armen empfangen würden und besonders eine Frau würde ich auch als Freundin bezeichnen. Da ich so oft nach Begegnungen gefragt wurde, werde ich nun versuchen ein bisschen von diesem Treffen zu erzählen:
Mein Start auf Bali war nicht gerade berauschend. Der erste Tag war voller Ärger in Nusa Dua, so dass ich mich dann deprimiert entschied jetzt einfach ein teureres Hotel in Legian zu buchen. Dort war ich mitten im Leben und so ein bisschen Firlefanz würde mir vielleicht den Start erleichtern.

Als ich dann noch immer eher semi-glücklich (schlechte Laune gibt`s leider auch im Paradies 😉 ) in Richtung Strand schlenderte, hielt ich ein einem Fruit Juice Laden. Die Inhaberin heißt Ruthy und ist eine ganze zauberhafte Frau mit den tollsten Säften, die ich je getrunken habe. Nach wenigen Minuten waren wir beim Thema Glauben und lagen uns in den Armen. Wir waren so unterschiedlich und dennoch haben wir uns sofort auf einer Ebene wie Schwestern gefühlt. Ruthy arbeitet sehr hart für ihr Geld, hat ständig schmerzhafte Verletzungen von der Fruchtsäure an den Händen, macht so gut wie nie frei und hat es auch nicht leicht als Christ auf der Insel zu leben. Ihre Religion war für mich nicht entscheidend, es ist eher auch eine philosophische und sehr ökumenische Weltanschauung die wir teilen. Jedenfalls hat sie an diesem Tag, nachdem wir bereits mehrere Stunden wirklich gute Gespräche hatten, das Geschäft geschlossen, um mit mir am Strand Gitarre zu spielen und zu singen. Es war ein wundervoller Tag mit tollen Gesprächen, von denen die folgenden Wochen dann auch noch viele mehr folgen sollten. Es beeindruckte mich, wie sie mich in ihr Herz schloss, obwohl ich genau zu den Menschen gehöre, wegen derer sie die Welt so ungerecht findet. Alles ist voll mit reichen Touristen aus Russland, Europa und Australien und sie arbeitet so hart weiß genau, dass sie sich eine solche Reise vermutlich nie leisten geschweige denn so lange frei nehmen kann. Auch darüber haben wir oft geredet, über Zweifel, Ungerechtigkeit und Ängste. Wir leben in einer völlig unterschiedlichen Welt und dennoch sind wir uns auf einer Augenhöhe begegnet, haben einander verstanden, viel gemeinsam gelacht und auch geweint.
Dies ist natürlich nur eine Begegnung und eine sehr verkürzte Version. Vermutlich lässt sich aus der Erzählung keine Besonderheit erkennen, doch für mich waren es eben solche und ganz besonders auch dieses Treffen, die etwas mit mir gemacht haben.
Haad Yao West

Was hat sich denn jetzt verändert?

Das frage ich mich auch manchmal. Oberflächlich betrachtet hat sich mein Stil verändert- ich kleide mich anders und schminke mich weniger. Insgesamt lege ich weniger Wert auf das „Drumherum“ und wenn doch, dann schätze ich es umso mehr. Ich war schon immer sehr dankbar für die wundervollen Menschen um mich herum und das Glück, dass ich so leben kann. Doch auch das hat sich noch einmal verstärkt. Mir wird auch jetzt noch nach und nach immer klarer wie wichtig ein paar Menschen sind, auf die man sich verlassen kann und wie wichtig es auch ist dies zurückzugeben. Der Kreis der wichtigen Personen wird möglicherweise auch mal kleiner, aber dafür auch stressfreier und verlässlicher. Liebe und Gesundheit sind große Geschenke.
Außerdem bin ich insgesamt natürlich etwas lockerer geworden, betrachte Probleme auch mal in einem größeren Kontext (dann sind sie meist halb so groß 😉 ) und auch mein Selbstbewusstsein ist gewachsen. Ich habe so viel allein gemeistert- von organisatorischen Punkten bis hin zu deprimierenden Tagen im Krankenhaus.
An Thong Marine National park

Außerdem habe ich mich nach vielen Jahren wieder daran gewöhnt wie ich ungeschminkt aussehe und gefalle mir so nun wieder mehr. Klar könnte sich manches gern ändern, aber ich bin mit vielem inzwischen viel mehr im Reinen, als ich es vorher war.
Irgendwie hat sich nichts und dennoch hat sich alles verändert. Dinge fühlen sich anders an. Besser. Und wenn man ein bisschen mehr weiß wer man ist, dann lässt sich auch leichter der eigene Platz in dieser Welt finden.

Thailand Kokosnüsse

Ich war nicht auf der Suche nach mir und fühlte mich vorher auch nicht verloren, dennoch war es irgendwie eine Reise zu mir selbst und so wird vermutlich auch jede zukünftige längere Reise wieder einen Prozess in mir anstoßen.
Buddha Figur

Vermutlich war dieser Post sehr wirr, aber ich wurde so oft nach diesem Thema auf YouTube gefragt und es fällt mir schwer kurz und strukturiert darauf zu antworten. Vielleicht ist ja trotzdem etwas bei euch angekommen und ihr habt Lust auf eigenes Abenteuer bekommen 🙂

Andrea Morgenstern