Wenn ich früher Freunde und Bekannte gefragt hätte, welche Eigenschaften sie spontan mit mir assoziieren, dann wäre Stärke möglicherweise eines der meistgenannten Wörter gewesen. Kein Wunder, denn ich habe alles daran gesetzt, dieses Bild von mir aufrecht zu erhalten – nur keine Schwächen zeigen oder nach Hilfe fragen. Immer nach dem Motto: Seht her, ich bin auch in schwachen Momenten stark! 

Welche Assoziationen Menschen heute mit mir verbinden, erzähle ich euch in der heutigen Podcastfolge und ich erzähle euch, wieso Schwäche-zeigen für mich immer noch ein Lernprozess ist.

Übrigens: Wenn dieses Thema interessant für dich ist, dann schau auch unbedingt in meiner Podcastfolge zum Thema Introvertiert vs. Extrovertiert vorbei, denn dort geht es ebenfalls, darum, Balance zu finden und sich seinem authentischen Ich näher zu kommen. 

Superwoman und ihre Schwächen

In der heutigen Podcastfolge soll es um das Thema Stärken und Schwächen gehen.

Kennt ihr das, wenn ihr besonders gern zeigen wollte, wie stark ihr seid, dass ihr alles ohne Hilfe schafft, dass ihr selbstständig seid und unabhängig? Ich kenne das auf jeden Fall ziemlich gut, denn ich habe viele Jahre sehr dafür gekämpft, dass mein Umfeld mich nicht als die schwache, ständig kranke Andrea sieht. Solange es möglich war, habe ich auch immer verschwiegen (z.B. bei neuen Jobs) dass ich chronisch krank war, damit ich nicht als schwach angesehen werde und eben auch beweisen konnte, dass ich alles so leisten konnte, wie alle anderen.

Mein Körper war dazu natürlich gar nicht in der Lage, aber ich hatte den ungesunden Ehrgeiz, in der Hälfte der Zeit (die mir durch die Schmerztage ja meistens nur zur Verfügung standen), das selbe zu leisten, wie alle anderen. Superwoman quasi!

In der Schule hat es ja auch irgendwie geklappt und in der Uni auch. Ich war zwar überall sehr wenig anwesend, und habe dadurch immer mal wieder viel Ärger bekommen, (man wollte mich sogar von der Schule schmeißen) aber ich habe meine Schule und mein Studium trotzdem geschafft (mein Studium sogar mit einem Durchschnitt, den ich mir so gar nicht zugetraut hätte).

Irgendwie hatte es also immer geklappt: alle glücklich machen, den Erwartungen der Leute und vor allen Dingen meinen eigenen sehr hohen Erwartungen irgendwie entsprechen – trotz chronische Krankheit.

Im Zweifel war ich dann eben voll gestresst und habe irgendwie durch Schmerzmitteln überlebt.

Ich wollte absolut kein Mitleid von Leuten für meine Krankheit – das wollte ich noch nie.

 

Im Gegenteil, ich wollte eher hören, wie stark ich sei, um mein eigenes Selbstbild dass ich versuchte selbst zu glauben, zu bestätigen.

Ja, keine Frage, ich bin eine starke Frau!

 

Ich war auch schon in jungen Jahren sehr stark, denn ich habe nie dauerhaft den Mut verloren oder die Hoffnung aufgeben, egal wie schlimm es gerade war. Da war auf jeden Fall viel Stärke. Aber es wäre gut gewesen, auch die Schwäche mehr zuzulassen.

Es gab eigentlich nur zwei Räume, in denen ich das getan habe, und das war zu wenig. Einmal, bei meiner Familie – aber auch das eher als Kind. Nach meinem Auszug 2008 und aufgrund einiger Kommentare im Familienkreis zu meiner Migräne (die nicht gerade aufbauend waren) habe ich mich auch da nicht mehr so fallen lassen, was die Schmerzen und die damit verbundenen negativen Gefühle anging.

Abgesehen von meiner Familie, habe ich mich nach meinem Auszug immer nur bei meinen jeweiligen Partner wirklich fallen lassen. An dieser Stelle ein großes Danke an die drei Männer in meinem Leben, auch wenn sie das vermutlich nie hören werden. Sie haben meine Tränen getrocknet, meinen Kopf massiert, das Kühl-Pack ausgetauscht und mir gut zugeredet. Sie haben immer wieder akzeptiert, dass ich viele Sachen nicht machen konnte, auf die wir uns gefreut haben und ich viele Sachen absagen musste. Ihr seid wirklich alle unheimlich stark und ich danke euch ganz doll für diese Unterstützung!

Bei meinen Partnern habe ich auch zugeben können, wenn ich nur noch voller Verzweiflung war, wenn ich nach 7 Tagen konstanter Migräne wütend war über mein Los dieser scheiß Migräne-Gene, wenn ich verzweifelt war und mich ungerechte behandelt gefühlt habe von allem Göttlichen auf dieser Welt.

Da habe ich mir erlaubt, mich wirklich fallen zu lassen.

 

Selbst meine besten Freunde haben mir wirklich voller Liebe angeboten für mich da zu sein, zu kochen, mir meine Kühl-Packs zu bringen, (mir also alles angeboten, was die Männer immer gemacht habe). Egal was ich gebraucht habe, sie hätten es gemacht.

Aber ich habe fast nie, oder wirklich nur in den größten Notfällen, diese Hilfe angenommen.

 

Ich war nicht bereit, da die Schwäche zu zeigen, bzw. wollte ich sie nur bedingt zeigen. Natürlich habe ich gesagt, dass es mir scheiße geht. Aber danach habe ich nur gesagt, dass ich mich deswegen jetzt nicht mehr melde. Ich habe alles mit mir alleine ausgemacht. Als ich dann alleine gewohnt habe, habe ich noch mehr alles mit mir allein ausgemacht. Bei Migräneattacken habe ich mich lange eingesperrt und wirklich nur im Bett gelegen und mit niemanden geredet. Ich habe mich bei niemanden gemeldet, z.B. per WhatsApp, bis sich die Leute dann Sorgen gemacht haben und ich mich melden musste, weil sie Angst hatten, dass mir etwas passiert ist. Die Nachricht, die man dann von mir bekannt, beinhaltete meistens nur ein Wort: Kopf!

Mehr stand da oft gar nicht drin, obwohl ich meinen Freunden ja sonst auch meine Schwächen zeigen konnte.

Ich bin ansonsten auch gar kein Mensch der irgendwie Angst davor hat, Schwächen zu zeigen – ganz im Gegenteil, ich trage sie offen auf meiner Zunge.

 

In diesem Bereich war es mir aber nie möglich, und auch heute ist es noch ein learning, das anzunehmen bzw. danach zu fragen. Psychologisch hat es auf jeden Fall noch einen tieferen Hintergrund, warum ich nur die Männer mich habe „retten lassen“. Aber so tief soll es hier in dieser Podcastfolge gar nicht gehen.

In den letzten Jahren habe ich nach und nach immer mehr angefangen, auch meine schwache Seite zu zeigen, was mir oft auch wirklich nicht leicht fiel. Das ist immer noch ein Training für mich, genauso wie zu erkennen, dass ich kein Einzelkämpfer sein muss, sondern, dass Menschen die mich lieben gerne für mich da sind.

Es ist völlig normal, bei solchen Schmerzen schwach zu sein und das auch bei anderen Themen im Leben. Es ist normal, auch mal schlecht drauf zu sein. Wichtig ist es immer, eine authentische Balance zu schaffen und nicht eine Version von einem starken Ich aufrecht zu erhalten obwohl das innere Ich eigentlich nach Schwächen zeigen verlangt.

Keiner von uns es ist immer stark oder immer schwach.

 

Wir sind alle Menschen, die mal solche und mal solche Momente haben. Meiner Meinung nach sind wir gemeinsam auf dieser Erde, um auch gemeinsam alle Höhen und Tiefen zu bewältigen.  Niemand muss sich hier als Einzelkämpfer durchboxen.

Sicher kann man sich auch dafür entscheiden, viel schöner aber ist es, wenn man auch die Schwäche als Teil von sich annehmen kann, wenn man sie ansieht und Mitgefühl für sich selbst entwickelt, Mitgefühl und Verständnis für die eigene Verzweiflung, Trauer, Angst und Schmerzen.

Ich war früher nach außen immer die super-fröhliche positive Andrea und ich bin tatsächlich erleichtert darüber, dass es nicht mehr das ist, was Leuten als erstes über mich einfällt. Viele Menschen haben mir im letzen Jahr gesagt, dass sie mit mir als erstes Wärme verbinden, genauso Authentizität, Liebe, Herzlichkeit. Das ist viel schöner, als die immerzu fröhliche und starke Andrea, denn die hat ganz schön viel Kraft gekostet und war immer nur EIN Teil meiner Persönlichkeit. Auch heute arbeite ich noch daran. Gerade in den letzten Wochen war ich immer wieder krank, weil mir in Wahrheit psychisch und arbeitsmäßig alles zu viel war. Warum? Weil ich mir mal wieder eingeredet habe, alles allein machen zu müssen. Dabei stimmt das überhaupt nicht!

Ich muss nur den Mut fassen, nach Hilfe zu fragen. Dann bekomme ich sie auch!

 

Denn woher sollen die Leute wissen, dass wir sie brauchen, wenn wir es nicht äußern und nicht danach fragen.

Immer unter Stress stark zu sein und alles wuppen zu wollen, führt meiner Meinung nach zwar manchmal (oder auch oft) ans Ziel, aber dafür eben auch zu Stress und Unglücklichsein und im worst case eben auch zu Krankheit.

Vielleicht kennst du dieses immer-stark-sein-wollen oder dass Leute immer den Eindruck haben, du bist die dauerhaft Fröhliche. Vielleicht kennst du auch denn Druck, der damit manchmal einhergehen kann. Wenn man gern so gesehen werden möchte, ist der Nachgeschmack davon nicht immer nur positiv.

Die Menschen, die uns wirklich lieben, lieben uns mit all unseren Facetten.

 

Wir müssen weder stark noch schwach sein, das Wichtigste ist, dass wir authentisch sind und unseren Bedürfnissen nachgehen können und sie äußern können – egal ob wir gerade stark oder schwach sind.

Das ist alles ein Thema, das in meinem Leben immer mal wieder aufkommt und das sehr lange viele Bereich dominiert hat – v.a. dieses stark sein zu wollen.  Inzwischen habe ich eine gute Balance gefunden und habe es ganz gut geschafft, schneller in die Authentizität zu wechseln, wenn ich gerade wieder versuche, Superwoman zu sein.

 

Falls ihr diese Themen kennt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr davon berichtet und auch, was ihr aus dieser Podcastfolge für euch mitnehmen konntet. Schreibt es sehr gern hier in die Kommentare und ich antworte euch dazu! Ich freue mich auch Euer Feedback!

Natürlich bin ich auch unglaublich dankbar, wenn ihr Lust habt, mir eine 5-Sterne Bewertung in iTunes zu hinterlassen, denn das hilft mir dabei, meinen Podcast noch mehr auf iTunes und andere Kanäle zu verbreiten und noch mehr Leute zu erreichen mit der Message, dass wir selbst in uns die Heilung finden. Dadurch kann ich hoffentlich noch mehr Menschen mit diesen Themen Inspiration geben. Deshalb vielen Dank, falls ihr euch die Zeit nehmt oder schon genommen habt für eine Bewertung!  Dankeschön!

Ich wünsche euch eine fantastischen Tag!

Machts gut!

Alles Liebe,